Bei Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) handelt es sich um eine sehr große Stoffgruppe (etwa 10.000 Stoffe), welche für die Industrie und den Alltag sehr nützliche Eigenschaften aufweisen (bspw. hohe Beständigkeit).
Verwendungsbeispiele:
- Konsumgüter (Kochgeschirr, Pizzakartons, …)
- Textilerzeugnisse (Regenjacken, Teppichbeschichtungen, …)
- Wetterschutzfarben (Häuserfassaden, Windkraftanlagen, …)
- Medizinprodukte (Intraokularlinsen für Grauer Star-Erkrankte, Stents, Nadeln, …)
- Elektronik (Halbleiter, Batterien, …)
- Automobile (Kraftstoffleitungen, Dichtungen, …)
- Schmierstoffe (Kettenöle, Schalter, Armaturen, …)
- Pestizide
- Feuerlöschschäume
- Luft- und Raumfahrt (störungsfreie Kommunikation vom Cockpit zu den Tragflächen)
- Weitere
Ab den 2000er Jahren wurde jedoch erkannt, dass die Langlebigkeit und weitere Eigenschaften einiger Stoffgruppenmitglieder sehr schädlich für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sind.
Bezogen auf die menschliche Gesundheit bedeutet das unter anderem, dass folgende Auswirkungen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit PFAS zusammenhängen:
- Leberschädigung
- Verschiedene Arten von Krebs
- Verringerte Immunantwort und Wirkung von Impfungen
- Weitere Effekte
Laut dem Annex XV Restriction Report ist die Kontamination von Grundwasser, Oberflächenwasser (Süßwasser, Ästuar- und Meereswasser) und Organismen mit PFAS bereits weit verbreitet.
Vorgehen EU
Im Juli 2021 wurde die Absicht veröffentlicht, dass PFAS umfassend beschränkt werden sollen. Im März 2023 startete die erste öffentliche Konsultation, welche mit über 5.600 Rückmeldungen eine ungewohnt hohe Beteiligung erzeugte. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn PFAS sind essentiell für bestimmte Anwendungen.
Die Ausschüsse der ECHA RAC (Committee for Risk Assessment) und SEAC (Committee for Socio-Economic Analysis) gliederten die Rückmeldungen in Sektoren und tagten bis Ende 2025, um einen Entwurf der SEAC-Stellungnahme zu formulieren und zu veröffentlichen.
Zu diesem Entwurf (engl.: SEAC draft opinion) kann die Öffentlichkeit im Rahmen des REACH Beschränkungsprozesses ein letztes Mal Rückmeldungen geben.
Gefragt sind hier sozio-ökonomische Auswirkungen. Das sind bspw.:
- Substitutionskosten
- Auswirkungen auf Produktionsstandorte
- Lieferketten
- Marktverfügbarkeit
- Erwarteter Nutzen durch Emissionsreduktion
Die Fragen für die Konsultation konnten untypischerweise bereits vorab in einer „Guidance for Respondents“ eingesehen werden, darunter:
- "What is or are the process(es) or product(s) PFAS (or an alternative to PFAS) are used in? How and why are they used?
- Do suitable alternatives exist for this use/application?
- What is the availability of alternatives for this use/application? Select all options that apply in general for this use/application and provide an explanation of each point in the next question.
- …"
Die SEAC-Konsultation fragt nach den Folgen des Komplettverbots: Wenn PFAS komplett verboten würde:
- Hätte Ihr Unternehmen Lieferschwierigkeiten?
- Wie viel teurer sind die Alternativen?
- Wie viel Verlust würde das für Ihr Unternehmen bedeuten?
- Wie viele Arbeitsplätze könnten dadurch abgebaut werden müssen?
- Müsste ein Standort geschlossen werden?
Wichtig:
- Diese 60-tägige Konsultation ist die letzte Gelegenheit, praktische und wirtschaftliche Auswirkungen in das Verfahren einzubringen.
- Gefragt sind vor allem belastbare Informationen zu sozio-ökonomischen Auswirkungen je Anwendung und Sektor.
Die SEAC-Konsultation ist vom 26.03.2026 bis zum 25.05.2026 geöffnet.
Bis Ende 2026 finalisiert SEAC die Stellungnahme und legt sie anschließend der EU-Kommission vor. Anschließend wird die Kommission einen Änderungsentwurf zum Anhang XVII übermitteln.
Die endgültige Entscheidung wird in einem Ausschussverfahren nach genauer Prüfung und unter Einbeziehung der Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments gefällt.
Sie haben Fragen zur SEAC Konsultation? Für weitere Unterstützung stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail mit Ihrer Frage oder nutzen Sie dazu unser Kontaktformular.
Für mehr Wissen sowohl zu PFAS als auch weiteren Material Compliance Themen, lesen Sie auch:
→ Frankreich: PFAS-Verbot in Textilien, vom 10.03.2025
→ PFAS - Updates, 09.08.2024
→ Material Compliance in der EU (REACH, RoHS, SCIP und mehr)
Autorin
Linda Kritzler (B. A.)
Material & Environmental Compliance Consultant
