Ab dem 1. Oktober 2026 gilt in China eine neue verpflichtende Norm für optische Strahlungssicherheit: GB 44703:2024 – „General requirements for optical radiation safety“. Was viele überrascht: Die Norm betrifft nicht nur Laserhersteller.
Zwei Produktbereiche – eine Norm
Wer bisher dachte, IEC 60825-1 und IEC 62471 seien ausreichend für den chinesischen Markt, muss umdenken. Mit GB 44703:2024 zieht China eine neue Linie und wer sie übersieht, hat ab dem 1. Oktober 2026 ein Marktzugangsproblem.
Das Besondere an dieser Norm ist nicht ihr Inhalt allein. Es ist die Architektur dahinter.
Zwei internationale Standards. Ein chinesischer Rahmen.
International existieren IEC 60825-1 (Lasersicherheit) und IEC 62471 (photobiologische Sicherheit von Lampen und Lampensystemen) als zwei vollständig getrennte Standards. China führt beides in einem einzigen verpflichtenden GB-Standard zusammen: GB 44703:2024 — „General requirements for optical radiation safety".
Die Norm erfasst:
- Laserprodukte im Wellenlängenbereich 180 nm bis 1 mm — basierend auf GB/T 7247.1:2024 (inhaltlich identisch mit IEC 60825-1:2014)
- Inkohärente Lichtprodukte im Bereich 200 nm bis 3 µm — LED-Leuchten, Lampen, Displays und vergleichbare Produkte, basierend auf GB/T 30117.1 (inhaltlich vergleichbar mit IEC 62471)
Damit sind potenziell alle Hersteller und Importeure betroffen, deren Produkte optische Strahlung in diesen Wellenlängenbereichen emittieren — weit über die klassische Laserindustrie hinaus.
Was sich konkret ändert
Die bisherige Pflichtnorm GB 7247.1:2012 (basierend auf IEC 60825-1:2007) wird abgelöst. Die früheren GB-Standards werden zu GB/T-Standards — also empfehlenden Normen — die von GB 44703:2024 je nach Produktkategorie aufgerufen werden. Die neuen Anforderungen umfassen Risikoklassifizierung, Kennzeichnung und Sicherheitsmaßnahmen für Produkt und Betrieb. Nutzerdokumentation muss zwingend auf Mandarin (vereinfachtes Chinesisch) vorliegen.
Document designation - GB/T 7247.1:2024-00
Published internationally as - IEC 60825-1:2014-05 (identical)
Title (English) - xSafety of laser products - Part 1: Equipment classification and requirements
Tabelle 1:Ausschnitt Globalnorm Standards Software
Der eigentliche Irrtum
Der Denkfehler, den viele Hersteller machen, ist nicht die fehlende CE-Konformität, denn die war in China ohnehin nie relevant. Der eigentliche Irrtum lautet: „Wir testen nach IEC 60825-1 und IEC 62471, das reicht für China."
Das stimmte bisher näherungsweise, weil GB 7247.1:2012 noch eng an der IEC 60825-1:2007 orientiert war. Mit GB 44703:2024 ist dieser Weg versperrt: IEC-Konformität allein ist kein Nachweis mehr. Geprüft werden muss explizit gegen den neuen GB-Standard — und das als Gesamtpaket, nicht als zwei separate Prüfungen.
China als Normungsgestalter — nicht mehr nur Empfänger
GB 44703:2024 ist kein Einzelfall. China entwickelt zunehmend ein eigenständiges Normensystem, das internationale Standards als Basis nutzt, sie aber gezielt anpasst, zusammenführt oder erweitert. Vergleichbare Entwicklungen zeigen sich bei KI-Normen, Cybersecurity und E-Mobilität. Die SAC (Standardization Administration of China) agiert dabei immer selbstbewusster als aktiver Gestalter, nicht als Empfänger.
Die Konsequenz für Exporteure ist direkt: China baut damit — ob gewollt oder nicht — zusätzliche Marktzugangshürden auf. Wer den chinesischen Markt im Blick hat, muss die GB-Normen eigenständig erfüllen und nachweisen.
Was jetzt zu tun ist
Auch wenn Sie bisher keine klassischen „Laserprodukte" herstellen, prüfen Sie, ob Ihre Produkte in den Geltungsbereich der GB 44703:2024 fallen. Relevant ist nicht die Produktkategorie, sondern der emittierte Wellenlängenbereich. Die Uhr läuft: Ab 1. Oktober 2026 ist die Norm verpflichtend anzuwenden.
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Autor
Manfred Böhm
Product Compliance Consultant
