Am 22. März 2026 wurden neue Hausregeln für einen der angesagtesten Clubs der Welt veröffentlicht

Die neue Detergenzien-Verordnung (EU) 2026/405 zeigt, wie der Marktzugang der Zukunft funktioniert

Der EU-Binnenmarkt ist eine der größten und leistungsfähigsten Wirtschaftszonen der Welt. Hohe Produktstandards, konsequenter Verbraucherschutz, fairer Wettbewerb – das sichert den Wohlstand von uns allen. Das Konzept des freien Warenverkehrs kombiniert mit der EU-Konformitätserklärung ist einzigartig in der Welt und hat jahrelang gut funktioniert – solange sich alle an die Regeln halten.

Das Problem: Viele tun es nicht mehr.

Günstige Produkte fluten den Markt, die die geltenden Standards schlicht ignorieren. Dabei ist die Rechnung simpel: Wer Compliance außer Acht lässt, spart Geld, verschafft sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil – und gefährdet am Ende die Verbraucher. Eigentlich dürfen nur Produkte auf den Markt, die diesen hohen Anforderungen genügen. Und das kostet eben auch Geld.

Viele haben die Schwächen des Systems erkannt. Es gibt schlicht zu wenig Türsteher – Marktüberwachung und Zoll – und zu viele Türen. Manche Plattformen im Fast-Fashion- und Billigimport-Bereich nutzen das gezielt aus, indem sie einzelne Häfen und Flughäfen gezielt überlasten. Das ist wie im Club: Man sucht sich die Tür mit dem schwächsten Türsteher, der ohnehin nur einen Bruchteil – Promille – der Waren kontrollieren kann.

Die EU hat das erkannt. Im Hintergrund wird gerade alles in Stellung gebracht, um das Problem langfristig zu lösen. Und hier kommt der entscheidende Punkt: Das wird nicht nur die vermeintlich Bösen treffen. Alle müssen künftig durch die Tür.

Denn in Zukunft steht der Türsteher nicht mehr davor – er steht dahinter. Die Tür selbst wird zur Zugangskontrolle. Das Single Window des Zolls ist die Tür. Das Eintrittsticket ist der Digitale Produktpass.

Und das gilt nicht nur für Importeure. Auch die Stammgäste – die EU-Hersteller – müssen ihre Eintrittskarte einmalig vorzeigen. Wer keinen DPP hat, kommt nicht rein.

Wie das konkret funktioniert, zeigt uns – schwarz auf weiß – die neue Detergenzien-Verordnung (EU) 2026/405.
 

Das Ticket heißt Digitaler Produktpass

Die neuen Clubregeln stehen bereits geschrieben – schwarz auf weiß, im Amtsblatt der Europäischen Union. Die Detergenzien-Verordnung (EU) 2026/405, in Kraft seit dem 22. März 2026, zeigt exemplarisch wie das digitale Drehkreuz funktioniert. Nicht als Absichtserklärung, sondern als fertiges Regelwerk mit konkreten Artikeln, klaren Fristen und einer verbindlichen Deadline: 23. September 2029.

Das Eintrittsticket ist der Digitale Produktpass. Was draufstehen muss – Produktkennung, Hersteller, Inhaltsstoffe, Warencode und der Nachweis der Konformität – steht in Anhang VI. Ausgestellt wird es vom Hersteller, vor dem Einlass, nicht danach. Und es muss ins Register – die zentrale Gästeliste der EU, geregelt in Artikel 24.

Die Tür selbst ist das Single Window des europäischen Zolls. Wer passieren will, übergibt seine Registrierungskennung. Die Tür prüft automatisch ob ein gültiger Eintrag existiert. Kein Eintrag, keine Freigabe. Elektronisch, automatisch, ab dem 23. September 2029 – Artikel 25 Absatz 4.

Und ein Detail das viele noch nicht auf dem Schirm haben: Die Wahl des Warencodes war bisher oft eine steuerliche Entscheidung. In Zukunft ist sie auch eine Compliance-Entscheidung – denn Anhang VII koppelt die DPP-Pflicht direkt an den Warencode. Wer hier falsch deklariert, bleibt an der Tür hängen.
 

Der Türsteher im Club

Aber die Tür ist nicht die einzige Kontrolle. Wer drin ist, ist noch nicht sicher.

Im Club gibt es auch Türsteher die drinnen patrouillieren. Das ist die Marktüberwachung – geregelt in Kapitel VI, Artikel 26. Ihr Job ist ein anderer als der des digitalen Drehkreuzes. Das Drehkreuz prüft ob ein Ticket existiert. Die Marktüberwachung prüft ob das Ticket auch stimmt – ob das was im Digitalen Produktpass steht mit dem übereinstimmt was tatsächlich im Produkt ist.

Und hier liegt der entscheidende Unterschied zum alten System. Früher mussten die Türsteher aktiv suchen – Stichproben, Beschwerden, Hinweise. Reaktiv. Heute haben sie Zugriff auf die Gästeliste. Sie können jeden Eintrag aufrufen, mit dem Produkt abgleichen, und bei Nichtkonformität einschreiten – Rücknahme, Rückruf, Marktverbot.

Das gilt übrigens für alle. Auch EU-Hersteller die ohne gültigen DPP verkaufen begehen eine formale Nichtkonformität gemäß Artikel 29. Der Unterschied: beim Import stoppt das Drehkreuz die Ware an der Grenze. Beim EU-Hersteller greift der Türsteher im Club.

Und Vorsicht: auch Stammgäste können aus dem Club fliegen.
 

Die Nebentür wird an den Haupteingang angeschlossen

Die Detergenzien-Verordnung ist eine Nebentür. Nicht unwichtig – aber auch nicht der Haupteingang. Was hier gerade installiert wird ist der Proof of Concept: ein digitales Drehkreuz, ein Register, eine automatische Verbindung zum Zoll. Alles bereit für den 23. September 2029. Alles dokumentiert in einem Rechtsakt der zeigt wie es geht.

Was an der Nebentür getestet wird, kommt bald am Haupteingang an. Die ESPR – die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (EU) 2024/1781 – rollt dasselbe System Produktgruppe für Produktgruppe aus. Der Arbeitsplan der Kommission ist konkret: Eisen und Stahl ab 2026, Textilien und Reifen ab 2027, Aluminium und Möbel ab 2028, Matratzen ab 2029. Parallel dazu greifen sektorale Rechtsakte wie die Batterienverordnung (EU) 2023/1542 – eigenständig, aber mit derselben Infrastruktur, demselben Register, demselben Single Window.

Und der Gesetzgeber hat den Zusammenhang offen benannt. Erwägungsgrund 47 der Detergenzien-Verordnung hält fest: Detergenzien sollen mittelfristig in den Geltungsbereich der ESPR überführt werden. Die Nebentür wird an den Haupteingang angeschlossen.

Ein System. Viele Türen. Und bald gilt an allen dieselbe Regel: kein Ticket, kein Einlass.
 

Wer weiter feiern will, braucht ein Ticket

Wer weiter feiern will, sollte sich schleunigst um sein Ticket kümmern.

Das bedeutet konkret: den Digitalen Produktpass ganz oben auf die Agenda setzen. Die ESPR und die sektoralen Rechtsakte im Blick behalten. Verstehen welche Tür als nächstes nachgerüstet wird – und rechtzeitig bereit sein.

Denn der DPP wird das zentrale Marktzugangsthema der nächsten Jahre sein. Nicht eines von vielen. Das zentrale. Wer es früh versteht und handelt hat einen Vorsprung. Wer es ignoriert riskiert irgendwann vor einer geschlossenen Tür zu stehen.

Und wer jetzt denkt: dann gehe ich halt wo anders feiern – sei gewarnt. Auch andere Clubs schreiben gerade ihre Regeln neu. China installiert gerade dieselbe Tür – technisch vielleicht etwas anders, aber das Prinzip ist dasselbe: digitale Nachweispflicht als Bedingung für den Marktzugang.

Die Party geht weiter. Aber nur mit Ticket.

 

Sie möchten mehr zum Thema Digitaler Produktpass erfahren? Dann lesen Sie auch:

→ EU: Digitaler Produktpass bereit zur Normung, 07.08.2023
 

Unterstützung durch Globalnorm

Globalnorm unterstützt Hersteller und Inverkehrbringer bei der Einordnung der regulatorischen Anforderungen auch für die Einführung des Digitalen Produktpass.


Autor

Manfred Böhm
Product Compliance Consultant
 

Veröffentlicht am 31.03.2026
Kategorie: Fokus Industry, Fokus Consumer Goods & Retail, Fokus Electrical and Wireless, Fokus Medical Devices, Insider-Compliance, Compliance

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